1. Astronomie und Menschheit

Woher wusste Aristotheles, das die Erde eine Kugel ist? Die Astronomie nennt man die älteste Naturwissenschaft. Noch ohne Fernrohr versuchte der Mensch schon vor 2000 Jahren, die “Welt dort draußen” zu verstehen und die gewonnenen Erkenntnisse im praktischen Leben anzuwenden. Er konnte dem Himmel Daten entnehmen, die wir heute mit Uhr, Kalender, Kompass und Navigationgerät zu ermitteln pflegen. Auch die Astrologie trieb ihn zu akribischen Himmelsbeobachtungen.
Heute erkunden wir mit Robotern das Sonnensystem und dringen mit Fernrohren wachsenden Durchmessers in immer größere Tiefen des Alls vor. Wozu das alles? Stimmt es, dass wir aus dem Staub der Sterne bestehen? Beeinflusst der Mond unser Leben? Warum erklärte die UNO die Astronomie im Dezember 2007 zur Grundlagenwissenschaft?
Der Vortrag zeigt an vielen Beispielen, warum die Astronomie der Selbstfindung des Menschen dient, Technologietreiber ist und die gesellschaftliche Entwicklung seit jeher mitbestimmt.
 

  Die Bedeutung der Horizontbögen
       auf der Himmelsscheibe von Nebra.
      
Grafik: Steffen Reimann, Görlitz

 

2. Astronomie in die Schulen! Aber wie?

Für die “alten Gelehrten” war die Astronomie schon immer ein Thema. Im Mittelalter gehörte sie als eine der Sieben Freien Künste sogar zu den Pflichfächern eines jeden Universitätsstudiums. Sich aber in der Volksbildung zu manifestieren, tat und tut sie sich schwer. Im 19. Jahrhundert findet man sie mitunter im Mathematikunterricht höherer Klassen, nach 1900 im Physik- bzw. Naturkundeunterricht mancher Schulen und 1948 forderte der erste Nachkriegskongress der deutschen Volkssternwarten ein eigenständiges Unterrichtsfach Astronomie für alle Schüler Deutschlands? Mit dem Beginn der Weltraumfahrt ergab sich eine günstige Konstellation, diese Forderung 1959 in Ostdeutschland umzusetzen. Hat sich das bewährt? Wie sieht es in den anderen Bundesländern aus? Gibt es Bundesländer, in denen es der Physikunterricht geschafft hat, dem Gros der jungen Menschen eine grundlegende astronomische Bildung zu vermitteln? Warum wird die Forderung nach einen regulären Unterrichtsfach aktuell wieder massiv vorgetragen?

 

Astronomieunterricht auf dem Schulhof des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Löbau.
   Foto: Clausnitzer


3. Von Deep Impact zu Rosetta - Naherkundung von Kometen mit Raumsonden

Was sind Kometen? Warum sind sie für die Forschung so interessant und seit Jahrzehnten im Visier der Raumfahrt?
Unbemannte Raumfahrzeuge erkundeten bereits vier Kometen aus der Nähe:
   - 1986 Komet Halley durch Giotto (ESA) und Andere
   - 2001 Komet Borrelly durch Deep Space 1 (NASA)
   - 2004/2006 Komet Wild 2 durch Stardust (NASA)
   - 2005 Komet Tempel 1 durch Deep Impact (NASA)

Warum bombardierte die NASA-Mission “Deep Impact” Tempel 1 mit einem 372 kg schwereren Körper? Der Zuhörer verfolgt diese Mission vom Start bis zu den wissenschaftlichen Ergebnissen. Nebenbei lernt er auch den Entdecker des Zielkometen, Wilhelm Tempel (1821-1889), kennen.
Der Vortrag endet mit einem Ausblick auf die ESA-Mission Rosetta, die 2014 Churyumov-Gerasimenko einen Lander absetzen soll.

 

    Deep Impacts Start am 12. Januar 2005.
     Foto: Clausnitzer

 

4. Kleinkörper des Sonnensystems und kosmische Katastrophen der Erdgeschichte

Sternschnuppen kennen wir aus eigenem Erleben, kleine Meteorite aus geologischen Sammlungen. Blicken wir mit dem Fernrohr zum Mond, so lassen die mit Einschlagskratern übersäten Mondlandschaften erahnen, dass der Weltraum auch über größere “Geschosse” verfügt, die auf alle Planeten und Monde einschlugen und zum Teil noch einschlagen werden. Die Erde bildet da keine Ausname. Riesenmeteoriten lösten wiederholt globale Katastrophen aus, denen mitunter bis zu 90% der bis dahin etablierten Arten wieder zum Opfer fielen. Trotz der Dynamik der Erdkruste und ständiger Verwitterung findet man noch viele Zeitzeugen. Mit ihnen lässt sich rekonstruieren, was vor 150 Mio Jahren in Yukatan, vor 15 Mio Jahren in Nördlingen, vor 50000 Jahren in Arizona und vor gut 100 Jahren an der Steinigen Tunguska in Sibirien geschah. Können wir künftige Katastrophen verhindern?

 

    Bolide (starke Sternschnuppen) schlagen
     “in den Wagenkasten” ein.
     Meteorschauer 2001 in China.
       Foto: Clausnitzer

5. Die Entdeckungen des Wilhelm Tempel

Der Bauernsohn und gelernte Lithograph Wilhelm Tempel (1821-1889) entwickelte sich über die Amateurastronomie und Anstellungenen in den Sternwarten Marseille (Valz) und Mailand (Schiaparelli) zum Leiter der Königlichen Sternwarte Arcetri, die damals über das größte Fernrohr Italiens verfügte. Im Verlaufe seiner erfolgreichen Kariere als Hobby- und Berufsastronom entdeckte er fünf Planetoiden, 13 Kometen und 150 “Nebelflecken”. Dazu gehören der von der NASA-Sonde “Deep Impact” besuchte Komet Tempel 1 und der für den November-Meteorstrom der Leoniden verantwortliche Komet Tempel-Tuttle. Bekannt geworden sind auch Tempels Zeichnungen von Kometen und “Nebelflecken”. Neben seinen vier periodischen Kometen tragen ein Planetoid, ein Mondkrater und die Schule seines Geburtsortes Niedercunnersdorf seinen Namen. Tempel war seit 1881 Mitglied der Royal Astronomical Society.
Um es dem Zuhörer zu ermöglichen, Tempels Entdeckungen einzuordnen und zu werten, wird im Vortrag allgemeinverständlich erklärt, was Planetoiden, Kometen und “Nebelflecken” sind.

    Vorträge und Schriften der Archenhold-
       Sternwarte Nr. 70, Berlin-Treptow 1989.
       (75 Seiten, 44 Abbildungen)

Vortragsangebot
zur Astronomie

 

 

Diplomlehrer (Ma, Ph, As) Lutz Clausnitzer,
02708 Obercunnersdorf, Ostsachsen.
Kontakt: mail(at)lutz-clausnitzer.de