NASA-Sonde fliegt zu Tempel 1

- Ihre Baumeister waren in Wilhelm Tempels Heimat -

Das Hauptaugenmerk der abendlichen ZDF-Interviews in Clausnitzers Garten galt dem bekannten Kometenexperten Professor Michael A’Hearn. Foto: L.C.

Vom 2. bis 4. August 2002 weilte eine amerikanisch-deutsche Delegation von Wissenschaftlern im ostsächsischen Ober- und Niedercunnersdorf. Die drei angereisten Kometenexperten waren am Bau einer Sonde beteiligt, die 2004 zu einem Kometen aufbrechen sollte, der von Wilhelm Tempel (1821- 1889), einem gebürtigen Niedercunnersdorfer, entdeckt wurde. Frau Dr. Lucy-Ann McFadden (University of Maryland) Prof. Dr. Michael A'Hearn (University of Maryland) mit Ehefrau Maxine (Biologin), und Dr. Jochen Kissel (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik Garching) informierten sich über W. Tempel, lernten mit Begeisterung dessen Geburtsheimat kennen und berichteten hier über ihren ausgeklügelten Plan, den Geheimnissen des Kometen Tempel 1 auf die Spur zu kommen.

Die Forscher absolvierten hier ein Programm, das sicherlich nicht weniger anstrengend war als die vorangegangene wissenschaftliche Konferenz ACM2002 (Asteroids Comets Meteors 2002, eine Tagung über Kleinkörper des Sonnensystems) vom 29. Juli bis 02. August 2002 in Berlin.

Am Freitagabend gab es in Obercunnersdorf schon die ersten ZDF-Interviews. Ein aufgebautes Fernrohr und der Kottmar, an dessen Hängen die Spree entspringt, boten in der Dämmerung eine romantische Kulisse. In der sich anschließenden sternklaren Nacht genossen die weitgereisten Astronomen den dunklen ländlichen Nachthimmel, denn in ihrer Heimat (Washington D.C. und Heidelberg) gibt es schon lange keine Milchstraße mehr und auch Wassermann und Delphin sind vom Himmel verschwunden. Doch in Obercunnersdorf hoben sich die Große und die Kleine Schöpfkelle - so heißen Großer und Kleiner Wagen in den USA - brillant von einem samtschwarzen Himmel ab und Fernglas und Fernrohr zeigten manch sehenswertes Himmelsobjekt. Dieser interessante Himmelsspaziergang musste nach Mitternacht ein Ende finden, denn am Sonnabendvormittag stand eine öffentliche populärwissenschaftliche Veranstaltung in der Wilhelm-Tempel-Grundschule Niedercunnersdorf auf dem Programm.

Nach der herzlichen Begrüßung der honorigen Gäste sprach Lutz Clausnitzer über Wilhelm Tempels Leben und  dessen Entdeckungen. Anschließend erläuterten Herr Prof. A’Hearn und Herr Dr. Kissel, wie das „Himmelfahrtskommando“ Deep Impact (Tiefer Einschlag) funktionieren soll und welche weiße Flecken auf dem Gebiet der Kometenastronomie man damit einzufärben gedenkt. In der Pause und nach den Vorträgen lud eine Wilhelm-Tempel-Ausstellung zum Schauen und Reden ein. Peter Domschkes “Virtuelle Welten” konnten sogar käuflich erworben werden.

Nach dieser von den etwa 70 Teilnehmern mit großem Interesse aufgenommenen Veranstaltung führte Bürgermeister Hübler die Astronomen noch zum Wilhelm-Tempel-Platz des Ortes, wo sich die Gäste vor dem Gedenkstein, der ihrem Fachkollegen aus dem 19. Jahrhundert gewidmet ist, einigen Erinnerungsfotos stellten. Nach dem Mittagessen bei Clausnitzers - Frau Clausnitzer servierte in Scholle gerollten Lachs - besuchte man noch den Bauernhof Model, wo Tempel 1821 geboren wurde, die Kottmarsdorfer Mühle und das idyllische Obercunnersdorf. Mit Barbecue, interessanten Gesprächen und Blicken zum wiederum klaren Sternhimmel ging ein für Gäste und Gastgeber gleichermaßen erlebnisreiches und bemerkenswertes Treffen in einer schönen Landschaft zu Ende.

Schon am 7. August berichtete die Spezialistin für Spektroskopie, Frau Dr. Lucy-Ann McFadden, im NASA-Hauptquartier in Washington D.C. über ihren unvergesslichen Besuch in der Oberlausitz. Wir danken den prominenten Gästen für die uns erwiesene Ehre. Ihr Besuch war eine besondere Würdigung Wilhelm Tempels und seines erfolgreichen Wirkens für die Astronomie.

Nach dem dreiminütigen Bericht in den ZDF-Spätnachrichten des 3. August meldete sich die 81-jährige Frau Ingeborg Tempel-Hofmann aus Bayern. Sie will mit uns in Verbindung treten, um mehr über ihren berühmten Verwandten zu erfahren und dessen Heimat kennenzulernen. Dass eine amerikanische Elementary School Kontakt zur Wilhelm-Tempel-Grundschule Niedercunnersdorf aufnehmen wird, gehört ebenfalls zu den Nachwirkungen dieses beeindruckenden Wochenendes.

Lutz Clausnitzer im August 2002

 

 

Tags darauf begrüßten Schulleiterin Rosemarie Kuhn (r.), Frau Petra Penther und Schülerinnen nicht nur die prominenten Gäste, sondern auch 70 neugie- rige Sachsen in der Wilhelm-Tempel-Grundschule Niedercunnersdorf. Foto H.P

Wissen aus erster Hand: Prof. A’Hearn (r.) und Dr. Kissel erläutern das NASA- Projekt Deep Impact zur Naherkundung des Kometen Tempel 1.  

Pausenmagnet: Ausstellung über Wilhelm Tempel. Fotos (5): Hartmut Posselt

Autogrammjäger, v.l. Hildegard Werth (ZDF), Peter Domschke, Prof. Dr. Michael A’Hearn, Dr. Jochen Kissel und Matthias Weber (Sächs. Zeitung).

Lutz Clausnitzer übergibt Bürgermeister Frank Hübler (r.) ein anlässlich dieser
Veranstaltung erstelltes Poster über Leben und Werk Wilhelm Tempels.

Führung in der Kottmarsdorfer Mühle, v.l.n.r.:  Kissel,  A’Hearn,  McFadden

Auf dem Bauernhof Model, v.l. Hübler,
Model, A’Hearn.  Fotos: Dr. E. Brösel.

Grillabend nach erlebnisreichem Tag, v.l. Jochen Kissel, Michael A’Hearn, Renate Clausnitzer, Maxine A’Hearn, Lucy-Ann McFadden. Foto: L.C.

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